Neugestaltung des Abschiedsraumes                                           im St. Carolus-Krankenhaus zu Görlitz

Die im Keller gelegenen Räumlichkeiten vermochten nicht den Eindruck einer Abstellkammer zu entkräften. Die Ausstattung war beliebig und  bis auf ein Kruzifix ohne jegliche  geistliche Ausstrahlung. Daher gilt es ein Umfeld zu schaffen, das, anders als bisher, den geistlichen und menschlichen Aspekten der Abschiednahme und des Hineingebens in die Ewigkeit Rechnung trägt. Durch den Einbau einer Trockenbauwand im Hauptraum und die Verhängung der Fenster mit blickdichten hellen Vorhängen (auch im Vorraum) wurde dem Ort die Kellerhaftigkeit genommen.

Es wurde eine Art Durchgang geschaffen, der hell erleuchtet, und mit blickdichten weißem Tuch ausgeschlagen ist. Nach christlichem Verständnis – auch in anderen Religionen bestehen ähnliche  Vorstellungen – ist der Tod nicht das Ende des Seins sondern lediglich eine Zäsur, dessen Verwandlung und Übergang in eine andere Dimension. Der Verstorbene steht nicht vor einer Wand sondern ist auf dem Weg aus dem Diesseits …

Kruzifix

… dieser Weg führt unter den Armen des segnenden Gekreuzigten hindurch. Das Kruzifix nimmt das Motiv des „Hinüber/Hindurchschreitens auf. Das alte Holz symbolisiert Diesseitigkeit. Das Kreuz mit seiner Not, seinen Schmerzen und Tränen bleibt, doch der leidende Christus ist dem auferstandenen, segnenden gewichen. Wir sehen den Ort an dem er hing, aber der „Marterpfahl“ ist durchbrochen und leuchtend zeichnen sich die Umrisse des gekreuzigten, nun segnenden Christus ab, der den Weg vorangegangen ist. Die Gloriole (Messingplatte), die dem Betrachter den letzten Einblick verwehrt, symbolisiert das Geheimnis des Glaubens, das eben nicht im Hier und Heute ergründbar ist.

Bildelement

Auf leicht erhabener Konsole ist an der früheren Stirnsite des Raumes ein Bildelement vorgesehen, das in seiner Farbführung die Blickrichtung vorgibt. Aus dunklen irdenen Farbtönen entwickeln sich hellere Flächen, die schließlich in klarem Weiß enden. Durchsetzt sind die Farbflächen mit goldenen Feldern und Streifen, das Verbundensein und Einander- Durchdringen von Himmel und Erde symbolisierend.

Stele

Während die beiden vorgenannten Ausstattungsgegenstände die geistliche Dimension des Abschiednehmens zum Zentrum haben, verharrt die Holzstele im Diesseits. Das Konzept beruht auf Jesaja 42,3: „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus“. Wiederum alte Holzbalken sind so zusammengefügt, das Knicke und Brüche zeigen aber nicht zerbrechen. Der Mensch ist nicht nur in sich ein gebrochenes Wesen, auch seine Wege weisen Verirrungen und Fehlleitungen auf. Aber es bleibt der Trost und die Gewissheit, dass GOTTes Liebe nicht nur die Richtung vorgibt, sondern vor allem die Kraft verleiht nach dem Straucheln aufzustehen. Am Ende steht diese kleine Flamme der Hoffnung, deren Licht sich in einer matten, fast blinden Gloriole (im Gegensatz zu jener hinter dem Kruzifix) bricht: Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich's stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin (1. Kor. 13, 12).